Interview mit D. Kazakis (EPAM) veröffentlicht in “United Greeks”


Frage:  EPAM ist ein vehementer Verfechter der Idee, dass Griecheland zu einer nationalen Währung zurückkehren muss. Viele Analysten sagen jedoch, das ein Verlassen der Eurozone katastrophale Folgen haben kann. Was ist Ihre Antwort darauf?

Antwort:  Wenn Sie der Meinung sind, dass eine Katastrophe, die wie die jetzige in einer Einbahnstraße mündet, durch einen anderen Kurs ersetzt werden kann, der in einer noch schlimmeren Katastrophe endet, dann ist das kein Argument, sondern eine Halluzination. In einem Moment, in dem die Gesellschaft, das Land und seine Menschen eine einzigartige Krise durchleben mit Hunderttausenden von unschuldigen Opfern, ist man verpflichtet, nach unterschiedlichen Lösungen zu suchen, andersartig und durchaus in Konfrontation zu den üblichen.  Die Befürworter des Euro behaupten jedoch, nur, wenn wir  die Richtlinien einhalten, die unser Land in die schlimmste wirtschaftliche Krise seiner Geschichte geführt haben und global in eine der Größten der Finanzgeschichte überhaupt – dann und nur dann werden wir die Krise überwinden können. Ist das logisch? Nein, es ist die Logik des absoluten Wahnsinns.

Die Wahrheit ist, dass der Ruf nach einem Verbleib in der Eurozone auf keinerlei Logik beruht, sondern sich einzig und allein an den Interessen der Banken und Märkte orientiert.  Durch den Euro ist es den agressivsten und parasitärsten Kräften des Marktes gelungen, die Geldschaffung und den Geldumlauf gleichermassen  vollständig zu privatisieren.  Durch die Kontrolle des Geldumlaufs war es den Banken möglich, alle möglichen Kredite auf den Staat und die Wirtschaft (in diesem Fall die privaten Kleinunternehmen und Haushalte) abzuwälzen.

Die öffentliche und private Kreditvergabe während der Euroeinführung  übertraf alle historischen Präzedenzfälle. Das ist der Fall bei allen Mitgliedern der Eurozone.  Ist das Zufall? Nein. Die Banken haben durch die Steuerung und Kontrolle des Euro nicht nur eine immense Verschuldung für Staaten, Unternehmen und Privathaushalte geschaffen, sie haben gleichzeitig  mit diesen Schulden in einer Vielzahl von Derivatenspielchen auch noch spekuliert. So wurde der Euro zur priviligierten Währung für das Glücksspiel, das mit der Schuldenexplosion und der weltweiten Derivatenblase getrieben wurde. Das ist der hauptsächliche Grund, warum der Euro gleichbedeutend mit Schulden ist, die mit mathematischer Sicherheit zum Bankrott führen werden, zunächst der Wirtschaften mit ihren grossen Defiziten und zum Schluss dem Rest. Niemand wird am Ende gerettet werden.

Daher muss es unsere erste Priorität sein, diesen Schuldenmechanismus abzuschalten. Es ist zwingend notwendig, dass der Staat die Währung und Geldmenge kontrolliert, so dass die Wirtschaft ohne weitere Schulden finanziert werden kann, damit sich die negativen Konten erholen und die Schulden eliminiert werden, die nicht getilgt werden können. Nur so bekommt der Markt wieder Luft zum Atmen.  Der  Staat muss eine Finanzierung der Gesellschaft ohne Schulden  anstreben, dem ein zentrales Programm für öffentliche Investitionen zugrunde liegt, was vor allem in der Produktion und der notwendigen Infrastruktur die Rezession zu Halten bringen und die Arbeitslosigkeit reduziert.

Nur so kann die Wirtschaft beginnen, sich auf der Grundlage eines dynamischen Neustarts der Produktion zu revitalisieren, der vor den monopolistischen Mächten des Marktes geschützt werden muss. Kann so etwas innerhalb des Euros geschehen? Unmöglich. Die Logik des Euro führt in den bankrott, auch wenn morgen Griechenland alle Schulden erlassen werden sollten.

Die Rückkehr zu einer nationalen Währung ist eine der grundlegenden Elemente der Demokratie.  Wahre Demokratie kann nicht existieren, wenn das Geld ist der Kontrolle privater Interessengruppen untersteht. Die Menschen und die Länder kämpften, um ihre Währung und den Geldumlauf aus privaten Händen und Banken zurückzuerhalten.  Erst nach dem Zweiten Weltkrieg war es Griechenland möglich, gemeinsam mit vielen anderen Volkswirtschaften und unter dem Druck nachkrieglicher demokratischer Erwartungen, eine nationale Währung zu schauffen und somit ihre eigene Wirtschaft zu steuern. Mit dem Euro wurden wir in das 18./19 Jahrhundert zurückversetzt, als die Geldschöpfung in den Händen privater Banken lag und diese denen Umlauf kontrollierten.  War es Zufall, dass zu der Zeit demokratische Regierungen die Ausnahme waren?
Frage?:  EPAM hat als eines ihrer grundlegenden Regeln und Forderungen  “mehr Demokratie”.  Wie stellt man sich das vor? Kann direkte Demokratie heute wirklich umgesetzt werden?
Antwort:    Direkte oder indirekte Demokratie existiert nicht. Es gibt nur EINE Demokratie, bei der die Menschen durch Vertreter die Regierung ihres Landes selbst ausüben.  Die Wiederherstellung der Demokratie in unserem Land sollte durch einen Gründungsakt geschehen, indem eine konstituierende Nationalversammlung  eine neue Verfassung schreibt und darüber abstimmt.

Auf diese Weise werden die Menschen, nachdem sie das jetzige sie unterjochende Regimes von Dieben gestürzt haben, dazu eingeladen, über eine neue Verfassung zu diskutieren, die anschließend von den nationalen Beratern einer gewählten Konstituierenden Versammlung  finalisiert wird.

So werden die unveräußerlichen Völkerrechte und die nationale Souveränität durch Taten belegt und nicht nur durch Worte – genau so wie die sozialen und politischen Rechte der Menschen garantiert und ihre Möglichkeit, aktiv und entscheidend auf die aktuelle Politik Einfluss zu nehmen  Referenda abzuhalten, allgemeine legislative Initiativen, Widerruf ihrer Vertreter, begrenzte Dauer von Dienstpflichten, obligatorische Rechenschaftspflicht, volle Transparanz und Publizität, gewählte oder zugeteilte Beamten auf allen Ebenen usw.

Unser Land blickt auf demokratische Traditionen zurück, aus denen wir in der heutigen Situation sehr nützliche Lehren ziehen können, wie zum Beispiel aus der Selbstverwaltung der befreiten Gebiete Griechenlands während der Nazi-Besatzung – eine Methodik, die an vielen respektablen Universitäten ausserhalb Griechenlands gelehrt wird als Beispiel für eine demokratische Reorganisation der Gesellschaft durch seine eigenen Mitglieder.

Frage:  Was denken Sie über den Vorschlag des Panos Kammenos an  Alexis Tsipras, ihre Abgeordneten zurücktreten zu lassen, um so Wahlen zu erzwingen, so dass die neuen Maßnahmen nicht umgesetzt werden?

Meines  Erachtens handelt es sich dabei um einen politischen Schachzug. Kammenos hat damit nach aussen hin den Ball geschickt an Tsipras abgespielt. So kann er, bereits im Wissen, dass Tsipras ablehnen wird, seinen Leuten gegenüber behaupten, dass er dazu gewillt gewesen wäre, aber alleine nichts hätte ausrichten können.  EPAM hat schon seit langer Zeit, noch vor der riesigen Massendemonstration am 12.2.2012, als gegen das zweite Memorandum protestiert wurde, die Forderung nach einem Rücktritt der Parteien gestellt, die die Maßnahmen nicht unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt hat uns die Führung von KKE und von SYRIZA als Provokateure hingestellt, weil wir es gewagt haben etwas zu sagen, was sich in den Köpfen aller bewegt hat:  Vereinigt uns mit euch und zwingt sie zum Rücktritt. Heute haben wir mit einem offenen Brief an SYRIZA, KKE und der Partei der Unabhängigen Griechen  diesem Gedanken noch einmal Nachdruck verliehen. Wir riefen sie auf zurückzutreten, falls neue Maßnahmen und neue Memoranda vom Parlament angenommen werden und nicht noch einmal ein Fiasko mit Wahlen zu riskieren, wie wir es das letzte Mal hatten. Wir müssen uns mit den Menschen organisieren, um dieses Regime zu stürzen.

Wir sollten uns nicht stark machen für Wahlen für ein Parlament, das zu einem Feigenblatt eines grausamen Regimes verkommen ist, das seine Menschen vernichtet und das Land ausverkauft. Wenn wir so weitermachen mit der Verfahrenweise der Parlamentswahlen wie beim letzten Mal, dann legalisieren wir de facto all Gesetze, die den Verantwortlichen und Kollaborateuren an dieser nationalen Tragödie Asyl gewähren.  Wir legalisieren die “internationalen Verpflichtungen” des Landes und die Praktiken und Ziele unserer Gläubiger (derzeit eine Opferung der ganzen Bevölkerung. internationale Stigmatisierung der Griechen, offene Erpressung, Verhängung eines Besatzungsregimes, usw.) Die Vorgehensweise ist nach den Grundsätzen der internationalen Rechtsordnung als kriminelle Handlungen gegen die griechische Bevölkerung einzustufen. Sie verletzen die grundlegenden Menschenrechte und sind als solche von den internationalen Gerichten zu verfolgen.

Wir legalisieren auch den Prozess der Wahlfälschung durch Wahlsysteme, offizielle negative Propaganda, das Ausnutzen staatlicher Mechanismen, öffentlicher Gelder usw. Solche Wahlen können nur von Leuten als legal und wünschenswert akzeptiert werden,  die den Kriminellen verzeihen, dass die dieses Land und seine Leute ins Krematorium getrieben haben. Und von denen, die nicht mit ausländischen Interessen kollidieren wollen, die das Land bereits jetzt ausgeblutet haben. Und von denen, die die Hoffnung auf eine Verhandlung mit eben diesen noch nicht aufgegeben haben – in anderen Worten eine Einigung anstreben mit denen, die die griechische Bevölkerung für die Verpflichtungen bestrafen, die sie insgeheim eingegangen sind – um nicht zu sagen für ihre unglaubliche Dummheit.

Solche Wahlen können nur von denen akzeptiert werden, die die Demokratie nicht respektieren ebenso wenig wie die Abstimmung des griechischen Volkes. Und von denen, die offen oder im Verborgenen die bestehenden Mechanismen der Wahlen für ihre eigenen Zwecke nutzen und missbrauchen. Man kann heute nicht einfach nach Wahlen schreien wie wir sie bisher kennen. Man muss nach Demokratie für die Menschen rufen. Und dies kann nur erreicht werden, wenn die Gegner der Memoranda im Parlament zurücktreten – aber nicht, um neue Wahlen zu provozieren, sondern um einen politischen Generalstreik auszulösen mit der Forderung an die aktuellen Führer ihre Macht abzugeben und zusammen mit ihren ausländischen Chefs zu verschwinden.

Eine Übergangsregierung wird sie ersetzen, die aus allen Parteien und Kräften bestehen wird, die in der Bewegung eine führende Rolle gespielt haben mit dem Ziel, wirklich freie Wahlen  zu veranstalten und  eine Verfassunggebende  Versammlung zu etablieren. Auf diese Weise wird das Volk aufgerufen, ihre Nation wieder aufzubauen – politisch, institutionell und sozial. Den Zähler auf Null zurückstellen und von vorne beginnen. Und zwar in einer Art, die im internationalem Recht staatlich anerkannt ist; alle rechtlichen Zusicherungen und Garantien verfallen, die von der herrschenden Clique willkürlich oder illegal vorgenommen wurden.

So kann das Volk von Anfang an ein Gesetz schaffen und es gemäß den Rechtsvorschriften umsetzen ohne die Korruption und Vorturteile aus der Vergangenheit.  Es kann alle Verpflichtungen ablehnen, die von einer gekauften und versklavenden Regierung in seinem Namen und trotz seiner Ablehnung begangen wurden. Einer Regierung, die inzwischen von ihnen gestürzt wurde. Und niemand kann ihnen etwas vorschreiben.  Das ist als Kernaussage internationalen Rechts einem jeden Volk garantiert. Die Menschen jedoch müssen diese Rechte wollen. Erst das unterscheidet uns von Sklaven.

Das Volk kann als Vergeltung diejenigen Personen und Mitglieder ausländischer Regierungen gegenüber der internationalen Gemeinschaft namentlich bekannt machen, die sich gegen sie verschworen haben und die Verfolgung  von Merkel, Barrosso, Juncker und ihren Kollaborateuren ,die die massive Zerstörung des griechischen Volkes und Landes zu verantworten haben, beim Internationalen Gerichtshof für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beantragen.

Wir glauben, dass unser Vorschlag die einzige demokratische Lösung der heutigen Krisen und Katastrophen ist, die das Interesse des Volkes berücksichtigt.  Aber haben die Ant-Memoranda Parteien, die im Parlament sind, das Format um so zu verfahren?

Das werden wir sehen.  Von ihnen unabhängig streben wir in EPAM  für das Volk dieses Ziel an. Wir werden mit allen Anti-Memoranda Parteien zusammenarbeiten, wenn deren Führung die Verantwortung übernimmt. Und wir werden gegen alle Parteien arbeiten, die sich dafür entscheiden im Parlament zu bleiben und es den Menschen nicht zugestehen, ihre Wut zu äußern.

Frage:  In den Wahlen vom vergangenen Mai hatte sich EPAM mit der Partei der Demokratischen Wiedergeburt und anderen Bewegungen zusammengeschlossen. Nach den Wahlen haben Sie allerdings nie von dieser Zusammenarbeit mit Stelios Papathemelis gesprochen. Warum?

Antwort: Es gab dazu keinen Anlass. Die Zusammenarbeit bestand lediglich für die Wahlphase. Es bestand in der Gestaltung eines gemeinsamen Wahlzettels, auf dem alle Parteien ihre Kandidaten zur Wahl stellten. Es gab keinerlei politische Vereinbarungen über eine etwaige Zusammenarbeit über diesen Zeitraum hinaus. Nach den Wahlen wurde diese Zusammenarbeit beendet. Als EPAM haben wir öffentlich eine Analyse und unsere Selbstkritik lautbar gemacht über unsere Tätigkeiten im Vorfeld der Wahlen, die viele Fehler hatte.
Unser größtes Problem war, dass wir uns von unseren eigenen Grundprinzipien abgewendet hatten. Dazu gehört, dass wir alle Allianzen und Kooperationen, die wir eingehen würden, zunächst einmal in der Bevölkerung  bei gemeinsamen Aktionen testen – dort, wo jeder die wahre Dimension des anderen erkennt. Wir hätten nicht mit Diskussionen parlamentarischer Natur beginnen dürfen, was es Opportunisten erlaubte, sich als  Memoranda Gegner zu profilieren, oftmals nachdem wir einen Dialog mit ihnen eröffnet haben um gemeinsame Ziele abzustecken.

Wir hätten uns nur mit Bewegungen zusammenschlissen sollen, die ihre Meinung bereits auf den Plätzen und in gemeinsamen Aktionen bewiesen hatten. Und mit niemand anderem. Das waren die Menschen von uns gewöhnt, so wurden wir von ihnen erkannt und anerkannt. Trotzalledem bedauern wir unsere einzige gemeinsame Zusammenarbeit während der Wahlen nicht. Es gab keine Nebenabsprachen über Geld oder Sitze, keine Vereinbarungen über frühere ideologische Ideen links oder rechts. Zumindestens in diesem Hinblick haben wir uns an unsere Vorstellungen gehalten, die sich auf eine Einheit der Menschen jenseits aller trennenden Ideologien richtet.

Frage Sehen Sie als Generalsekretär der EPAM  Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen demokratischen und patriotischen Anti-Memoranda Organisationen in der nahen Zukunft, zum Beispiel bei Neuwahlen?

Antwort:  Unser grundlegendes Ziel ist, wie bereits erwähnt,  einen politische Generalstreik von langer Dauer zu organisieren, der als zentrales Thema haben müsste “Übergeben Sie die Macht, gehen Sie nach Hause und nehmen Sie ihre schlechten Chefs bloss mit”. Von diesem Ziel werden wir nicht abweichen, denn dann würden den Kampf für die Demokratie aufgeben. Wir glauben auch nicht daran, dass sich unter den derzeitigen Bedingungen mit traditionellen Parlamentswahlen eine akzeptable Lösung erzielen lässt.

Daher wird unsere Teilnahme an eventuellen Neuwahlen davon abhängen, wie die aktuellen Bedingungen sich darstellen  sowie konkret von den Menschen , die durch einen langfristigen politischen Generalstreik zur Macht gelangen wollen. Wahlen unter den gegenwärtigen Bedingungen können nur als Informationsforum betrachtet werden und als Möglichkeit, Menschen für einen politischen Generalstreik zu mobilisieren. Und das im günstigen, aber keinesfalls in jedem Falle.

Wir glauben jedoch, dass es nicht zu Neuwahlen kommen wird, bevor die Dreier-Regierung ihre Mission beendet haben wird, die ihr vom Ausland aufgetragen wurde. Bevor nicht alle Maßnahmen und neuen Verpflichtungen abgesegnet sind, werden sie Land und Leute in Ketten legen. Hinterher könnte es zu Neuwahlen kommen, damit Tsipras übernehmen kann, ob er will oder nicht, der allerdings innerhalb des bestehenden Rahmens parlamentarischer Arbeitsweise lediglich die Verpflichtungen, die Ketten des Landes, neu unterhandeln kann.

In einem solchen Falle werden unsere grossen Freunde, Verbündeten und Partner die Neuverhandlungen akzeptieren und ihn von Meeting zu Meeting schleusen, während die griechische Wirtschaft und Gesellschaft kollabiert. Genau wie es heute ist.  Daher wird auch Tsipras, so lange er den dubiosen Prinzipien der Euro-Gang gehorcht , gezwungen sein der Logik und Praxis von Kouvelis zu folgen.

Jedenfalls konnte der Schritt von Kouvelis darüber hinwegtäuschen, dass er sich in der politische Strategien der SYRIZA für die Zeit nach den Wahlen sieht und von einem zukünftigen politischen Miteinander einer Regierung der “Linken” träumt, die allerdings meiner Befürchtung nach unter den geltenden Bedingungen auch eine Regierung sein wird, die eine Teilung und einen Bürgerkrieg nicht verhindern kann. Wie auch immer, Herr Tsipras und seine Kameraden können sich nicht gerade für eine  nationale Unabhängigkeit Griechenlands erwärmen, insbesondere wenn es nicht mit der sogenannten “europäischen Perspektive” verträgt. Deshalb muß so schnell wie möglich eine Plattform aller demokratischen patriotischen Kräfte geschaffen werden, die vom Volk ausgeht und zum Ziel hat, einen längeren politischen Generalstreik vorzubereiten. Es ist die einzige Hoffnung aus der heutigen Sackgasse.

 Frage: Was glauben Sie wird in allernächster Zukunft passieren? Besteht die Möglichkeit eines Bankrotts innerhalb der Eurozone?

 Antwort:   Wir Menschen können nicht verstehen, warum Griechenland nicht schon längst den Bankrott erklärt hat, was unwiderruflich der Fall sein wird solange Griechenland im Euro bleibt. Im Moment zeigt das Land alle Anzeichen eines Kollapses wie ihn Argentinien in 2001 erlebt hat, als es komplett kollabierte und absichtlich in einen dreijährigen Bürgerkrieg gezwungen wurde, der Tausende von Opfern hinterliess. Mit diesem Chaos droht uns Samaras und damit es im Land auch wirklich herrscht, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: die Fortsetzung der heutigen Politik und politisches Personal, dass so eingeschworen ist, dass es das Chaos einer Massenvernichtung von Menschen organisiert. Von oben und mit voller Absicht.

Der einzige Unterschied mit Argentinien besteht darin, dass einerseits die Bank von Griechenland mit Milliarden von Staatsgeldern am Leben gehalten wird – für wie lange noch, das weiss kein Mensch – während auf der anderen Seite die Euro-Verwaltung eine offizielle Aussetzung von Zahlungen vermeidet, da dies die Gemeinschaftswährung am internationalen Markt schwächen könnte. Diese Umstände allerdings werden dazu führen, dass Griechenland als selbstständiger Staat nicht mehr lange existieren wird. Um die Banken zu retten und den Euro selbst vor einem unmittelbaren Bankrott zu bewahren werden nicht nur die Menschen durch die Hölle getrieben, sondern das Land selbst wird so zerstört, dass es aufhört in der Form zu existieren, die wir es kennen. Länder und Regionen werden unter ausländische Überwachung gestellt, sie werden von anderen Regionen der Eurozone annektiert, zuallererst von den Deutschen. Kantone werden als spezielle wirtschaftliche Zonen gegründet und als ausländische Staatsmonopole vergeben und Griechenland wird kein unabhängiges und ungeteiltes Land mehr sein.

182 Jahre formeller Unabhängigkeit gehen ihrem Ende entgegen, wenn in den kommen Monaten der “ESM” (European Support Mechanism) zum Tragen kommt, der vor etwa einem Monat eingeführt wurde. Dieser ESM wurde gegründet, um die Grundfunktionen des Staates, der unter Zusicht gestellt wurde, zu übernehmen, womit man ihm seine internationale legale Entität raubt. Die Märkte erkennen den ESM als Gewalt des Staates an, der um Hilfe innerhalb dieses Mechanismus bittet. Natürlich wird dies als zeitlich begrenzte Maßnahme dargestellt werden; ein Land soll so durch nicht korrumpierte ausländische Kommisare gereinigt werden, die das Land anstelle unserer korrupten Politiker verwalten. Alles wird von den Staatsmedien als Rechtfertigung in Kauf genommen für das Argument, dass Griechenland nur innerhalb des Euros kreditwürdig an die Märkte zurückkehren kann – selbst die Auflösung des griechischen Staates.

Frage : Haben Sie eine Nachricht für die Leser?

Antwort: Wer stehen im Moment der grössten Bedrohung gegenüber, die unser Land jemals gesehen hat. Griechenland wird diese Krise als Mitglied der EU und des Euro nicht überstehen – jedenfalls nicht als unabhängige Nation oder Vereinter Staat. Die Situation ist kritisch. Vogel-Strauss-Politik hilft uns nicht weiter. Im Gegenteil, es bringt uns nur schneller ins Grab. Je mehr wir zulassen, dass der Weg von lokalen und ausländischen Häuptlingen bestimmt wird, je mehr ist ein Ding sicher: Die Anzahl der Opfer wird sich erhöhen bis  selbst dem Ignorantesten das Ausmass der Vernichtung klar wird, dem das griechische Volk anheim fällt.

Angesichts dieser Situation haben wir nur eine Pflicht: das Überleben unseres Volkes und die Befreiung unseres Landes. Viele haben nur im Selbstmord einen Ausweg gesehen, was zu vielen Tausend Toten in den letzten zwei Jahren geführt hat, weil sie nicht daran glaubten, dass sich im letzten Moment doch noch etwas ändert. Sie haben nicht verstanden, dass sie in diesem Moment nicht nur sich selbst töten, sondern auch ihre Familien, Kinder und alle die, die sich um sie sorgten.

Allerdings kann man sich auch für die Würde entscheiden anstatt für den Selbstmord. Wir sollten für unsere Würde als Mensch kämpfen, als Bürger, als Volk und als Grieche. Es steht einem Menschen nicht an, sich wie ein Tier behandeln zu lassen. Es steht einem Bürger nicht an zu akzeptieren, dass sein Leben bei der Stimmabgabe gefährdet ist. Es steht dem Volk nicht an sich wie ein streunender Hund in seiner Angst vor Gangstern zu ducken, die es all die Jahre bestohlen haben und nun in die Sklaverei verkaufen wollen. Und es steht einem Griechen nicht an, sein Land ohne Kampf, ohne Schlacht, ohne Krieg an die zu übergeben, die ihn mehr betrogen haben als es jede Besatzungsmacht jemals vermochte und ihm sein Land nehmen.

In diesem Kampf gibt es keinen Platz für Vorurteile, oder für uneinige Erklärungen, sondern nur für einen Bürgerpatriotismus, der dort vereint, wo Ideologien trennen. Es macht keinen Sinn, darüber nachzudenken, warum man in eine Situation geraten ist, eine tragische Situation und darüber in Depressionen zu versinken. Das einzige, worüber sich das Nachdenken lohnt ist, wie man etwas Nützliches tun kann. Für sich selbst, um für sich selbst zu beweisen, dass man nicht nutzlos ist – für das Volk und für das Land um zu beweisen, dass man sich eben doch kümmert.

Im Moment trennt sich die Spreu vom Weizen. Jetzt erwachen ganze Völker langsam aus ihrer politischen Lethargie, die sie in den Graben geführt hat und suchen wieder nach einem angemessenen Platz in der Geschichte. Für uns, die wir uns diesem Kampf angeschlossen haben, ist diese Zeit, so dunkel sie uns auch erscheinen mag, nur die letzte Dunkelheit vor der Dämmerung. Und wenn diese Nacht auch noch so schwarz ist, und wenn sie auch noch so vielen Dämonen Schutz bietet, eines ist absolut sicher: die Dämmerung wird kommen und ein neues Griechenland wird entstehen.

Interview von Vassilis Pandis

Freitag, 9. Nov. 2012

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